vom gefühl vor den wörtern

Aktualisiert: vor 5 Tagen



worüber schreiben? vorstellungen vom schreiben und vom text, der zu entstehen hat, bilden ein korsett, zwängen mich ein. keine spur von schreiben in freiheit und voll freude. kein lustvoll im garten der wörter spazieren gehen, hier etwas sehen, dort etwas entdecken.


zweifel. nichts zu sagen zu haben, gar nicht schreiben zu können. der zweifel besetzt, infiziert meine innere welt, krampft sich um meine kreativität, die quelle meiner ideen. wie eisenstangen die holzbalken eines weinfasses zusammenhalten, so hält der zweifel meine kraftquelle in schach. hält sie klein.


widerstand. er hat mich im griff, richtig gut. keine lust, überhaupt keine lust auf das schreiben hier. es ist schmerzhaft, so ohne idee und ohne lust. ja, wirklich, genau jetzt habe ich keine lust, es macht keinen spass. ich schreibe, weil ich etwas beweisen will. weil ich doch nun mal schreibe. es ist trotz dabei. mich nicht kleinkriegen lassen vom zweifel, der die angst im gepäck hat. durch mein tun beweisen, dass er nicht recht hat.


es ist aussichtslos. der text gefällt mir nicht. ein kampf, die wörter stossen mir auf, ich will sie rauskotzen. ich will sie weghaben, alle wörter, leere.


da, jetzt ist es still. ich atme ruhig. bin ganz bei mir. sehe nach innen und was sehe ich? eine weisse weite fläche. nichts weiter. nur eine unendlich weite weisse fläche, glatt, eben. das tut gut. die stille tut gut.


nullpunkt.

Herzschlag.

stille.

stille.

stille.

innig.

“innig”.


ich bin im heiligen inneren kreis, im herzen meines seins, nur dieses eine wort erscheint, “innig”. es erklärt sich nicht, es bildet keinen satz, es will nichts weiter, es will nichts sagen. es ist einfach. da.

nullpunkt. alles loslassen, alle wörter wegschicken, in das gefühl vor den wörtern fallen. beim singen ist es entscheidend, immer wieder die spannung loszulassen, die den gleichmässigen atemfluss erzeugt, auf dem der ton liegt. in den pausen muss ich immer wieder an den nullpunkt zurück. wieder von vorn anfangen. die muskeln komplett entspannen. sonst verkrampfen sie, immer stärker, je länger das lied dauert. Die muskeln müssen geschmeidig bleiben, in bewegung, immer wieder von neuem die spannung aufbauen – und loslassen.


für das schreiben ist es genauso, glaube ich. von zeit zu zeit abstand zu unseren wörtern halten, sie vergessen, sie loslassen. eine leere, weite weisse fläche erscheint, ein gefühl vor den wörtern.

das gefühl sagt: sie hat nicht recht, die angst. sie macht nur lärm. sie poltert, weil sie nicht will, dass neues wächst, dass du wächst.


sie kann nichts tun.

sie kann die schöpferische quelle in dir nicht vernichten.

komm in die stille.

lass los.

. . .

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