Tief tauchen mit Poesie: Warum innere Arbeit mit Emotionen wichtig ist




"Hör auf zu weinen!", sagte der Mann neben mir. "So will ich dich nicht sehen. Ich will, dass du stark bist und positiv!"

Er ekelte sich vor Schmerz und Krankheit und Schwäche, suchte Bewunderung und Anerkennung.


Die Energie nach der Zeit mit ihm war verschwunden. Ich merkte, dass mir der Zugang zu meiner Mitte fehlte, ich nicht mehr geerdet war, weil ich mir meine Energie von einem anderen Menschen holte, statt sie bei mir selbst zu finden.


Der „Turningpoint“: Hilfreiche Emotionen


Diese Wut. Riesengroß und knallrot hat sie mich einfach so überrollt.


Ich lag am Boden, kraftlos, nicht in der Lage, etwas zu tun.

Dann schiebe ich Dinge auf, die wichtig sind, prokrastiniere. Verbringe nicht gern Zeit mit mir selbst.


Doch die Wut reicht mir ihre Hand, zieht mich hoch, lacht mich an und fragt: „Was ist los? Nichts wie raus hier!“

Und ich denke: Stimmt eigentlich. Es ist nur meine Scham, die mich bisher davon abgehalten hat, der Wut in Richtung Freiheit zu folgen.

Wut macht uns oft Angst, weil sie laut ist. Doch laut muss nicht aggressiv sein, sondern der entscheidende Schritt in Richtung Selbstermächtigung.

Ein klares Nein. Eine Grenze.


Was ich aus dieser Beziehung gelernt habe: Beziehungen sollten nicht weg von dir, sondern hin zum Selbst führen.


Ich begann mir Fragen zu stellen wie: Suche ich in Beziehungen nur eine Ablenkung?


Kann ich mit diesem Partner/diesem Freund ganz ich selbst sein?


Dich um Emotionen kümmern: Nicht nur Körperhygiene, sondern auch Seelenhygiene!


Wie gut es sich anfühlt, wenn das warme Wasser alles wegspült! Manchmal stelle ich mir beim Duschen vor, dass nicht nur der äussere Schmutz, sondern auch mein innerer Müll - all die negativen Gedanken und Ängste - mit dem Wasser weggespült werden. Über unsere Körperhygiene machen wir uns keine Gedanken. Die gehört einfach dazu, täglich, nicht hinterfragt. Wird sie vernachlässigt, fühlen wir uns unwohl.


Doch warum vernachlässigen wir so oft unsere seelische Hygiene? Meditation, Gebet, Journaling, auch kreative Tätigkeiten, innere Arbeit in jeglicher Form könnte als seelische Reinigung bezeichnet werden. Sie defragmentiert das Gehirn und macht Platz für neue Gedanken und Ideen. Das Heilen seelischer Wunden, die im Alltag immer wieder angetriggert werden, wird selten praktiziert. Man hebt sich das auf für den Coach oder die Psychotherapie, macht es abhängig von einem anderen. Doch allein zuhause glauben wir oft keine Zeit dafür zu haben. Ich halte das für einen Denkfehler.


Für Körperhygiene haben wir nur deshalb Zeit, weil wir die Notwendigkeit nicht hinterfragen. Würden wir es mit der seelischen Hygiene genauso betrachten, wäre die Zeit plötzlich da, weil sie da sein muss.


Was ist eigentlich innere Arbeit?


Der Begriff „innere Arbeit“ wird in ganz unterschiedlichen Kontexten verwendet. Meine Methode, die „poetische Schattenarbeit“, orientiert sich an der Psychologie des C. G. Jung. Es gibt Ansätze der Entwicklungspsychologie, die integrale Theorie von Ken Wilber, „the Work“ von Byron Katie.

Radikale Selbstfürsorge, Wellbeing ... egal, mit welchem Begriff, Konzept oder Philosophie innere Arbeit praktiziert wird, immer steht die gleiche Überzeugung dahinter: Das Innen formt der Aussen. Ich gehe ganzheitlich mit mir selbst in Kontakt.


Ich persönlich denke, dass auch ein Gottesdienst, Bibelarbeit, Meditation oder Yoga innere Arbeit sein können, solange sie mit dem Wunsch nach Weiterentwicklung und Selbsterkenntnis praktiziert und als eine aktive Handlung betrachtet werden, um etwas im Außen zu bewegen. Keine passive Weltflucht oder ausschliesslich Entspannung, um den Geist zu beruhigen.


Was passiert, wenn ich innere Arbeit vernachlässige?


Wenn ich für längere Zeit die Arbeit mit meinem Inneren vernachlässige, dann spüre ich das in allen Lebensbereichen.


In meinen Beziehungen:


Ich verliere den Kontakt zu mir und überlasse anderen die Macht über mich - wie in der eingangs geschilderten Beziehung.


In meiner Arbeit:


Ich sitze vor einem Stapel unerledigter Aufgaben und bin nicht fähig auch nur eine von ihnen anzufangen, denn dann schreit auch schon die nächste Aufgabe: Hast du mich etwa vergessen?

Nein, alles gut, beschwichtige ich und ghoste die arme Aufgabe. Prokrastination nennt man das.

Das Schlimmste daran: Ich weiss nicht, warum ich es tue. Unbewusste Ängste und Scham sind oft der Grund.


Wenn ich Angst und Scham nicht mehr brutal wegstosse, sondern sie akzeptiere, machen sie wieder ihren Job und sind treue Berater, statt sich auf den Chefsessel zu mogeln. Da sitzt das Power Couple Mut und Liebe und so soll es bleiben.


In meiner Freizeit:


Ich brauche viel Zeit für mich, doch manchmal befürchte ich mein Leben zu verpassen.

Also stürze ich mich in Erlebnisse, obwohl ich dafür keine Energie mehr habe.


"Die anderen schaffen das doch auch, warum kriegst du das nicht hin, du Lusche!", beschimpfe ich mich.

Fear of missing out


Ich leide unter Fomo: Fear of missing out. Angefangen hat es damit, dass ich Angst bekam eine spirituelle Katzen-Frau zu werden: Meditation statt Leben. Hatte ich das Meditieren nicht ursprünglich mal begonnen, weil ich dann das Leben viel intensiver wahrnahm?


Lange glaubte ich, meine Handlungen im Aussen wären verantwortlich für mein Innenleben. Wie ein Gradmesser definierten Beziehung, Job, Freundschaft und Familie mein Wohlbefinden.


Es ging darum, etwas zu haben, nicht darum, etwas zu sein oder vielmehr: Das Sein entstand erst aus dem Haben.


Und da einem die Gesellschaft ja stets und ständig erzählt, dass man erst glücklich sein kann, wenn das Privatleben erfüllt ist und der Kontostand für Sicherheit sorgt, wenn wir Liebe von anderen erhalten und Liebe geben, Erfolg im Beruf haben undsoweiter, glaubte ich das, denn ich bin ja ein Teil dieser Gesellschaft! So wie manche Menschen nur für ihr Wochenende oder den Urlaub leben, so wartete ich darauf, dass mein Leben endlich beginnt.


Viele Menschen leben so, begreifen die Existenz auf dem Planeten Erde als ein Wartezimmer.


Und erst, wenn Krankheiten und Katastrophen uns daran erinnern, dass unsere Existenz begrenzt ist, wachen wir auf und begreifen, dass jeder Augenblick lebenswert ist. Die Dimensionen verschwimmen, wir werden dankbar für sogenannte kleine Augenblicke: die Sonnenstrahlen auf der Haut, der Gesang eines Vogels ... Und es ist tragisch, dass wir erst in diesen Momenten begreifen, wie verschwenderisch wir bisher mit unserem Leben umgegangen sind.


Aber warum immer erst auf die Katastrophe warten? Dazu ist das Leben viel zu kostbar. Warum nicht im Hier und Jetzt leben, das Warten beenden, nicht länger auf ein Ziel warten, das uns das Glück in einer fernen Zukunft verspricht?


Dich mit dir versöhnen - deine Emotionen sind der Schlüssel


Genau hier setzt innere Arbeit an!


Denn oft liegt es an unversöhnten Aspekten unserer Persönlichkeit, wenn wir diese Genussfähigkeit verloren haben. Wir leben nicht im Einklang, haben etwas nicht verarbeitet, Schmerz einfach heruntergeschluckt, sind voller seelischer Wunden. Innere Arbeit bedeutet, diese Wunden zu heilen - ein Pflaster draufzukleben und aktiv das Leben zu gestalten, das wir leben wollen. Denn es beginnt mit unserer Vision, unserer Vorstellung, unserer Energie, unserem Wohlbefinden. Es funktionier nicht, sich diese Energie von anderen Menschen zu borgen.


Das lässt uns nur mit innerer Leere zurück und zerstört Beziehungen. Vernachlässigen wir diese Seelenhygiene, entstehen immer wieder blinde Flecken in unserer Existenz: Ich weiß nicht, warum ich mich so verhalten habe. Keine Ahnung, warum ich so traurig bin. Warum lehne ich diesen Menschen ab? Warum bin ich unglücklich in diesem Job? Das wollte ich doch immer …. Eigentlich ...


Wenn Menschen ihre Ziele nach langer Zeit erreichen - Perfekter Partner, perfekter Job, schöne Wohnung, liebe Freunde - dann stimmt der äussere Rahmen. Der Feind im Aussen fehlt. Also, wo ist das Problem? Spätestens da begreifen wir: Es sind eben nicht die äusseren Umstände verantwortlich für das eigene Glück. Es sind die inneren Umstände, um die wir uns selten bis nie kümmern.


Und an diesem Punkt beginnt dein Weg zu dir!



Poetische Schattenarbeit: Tief tauchen mit Poesie


Ob das den grossen Künstler.innen, Dichter.innen, Literat.innen, Filmemacher.innen und Musiker.innen je so klar bewusst war? Ich denke, ja! Denn ihre Tätigkeit war und ist nichts anderes als innere Arbeit: Tief tauchen in die Welten des Unbewussten, der Seele und Gefühlswelt, Fantasie, Imagination und Traum. Tief tauchen, um verborgenen Persönlichkeitsanteilen auf die Spur zu kommen und sie zu bergen wie einen kostbaren Schatz.


Poesie bzw. Lyrik ist dazu besonders gut geeignet.


Zurzeit lese ich wieder den Lyrikband „Illuminations/Farbstiche“ des Poeten Arthur Rimbaud. Dieses kleine Büchlein hat mich mit 15 Jahren zur Poesie gebracht. Wenn ich es nun mit 40 erneut lese, fällt mir auf, dass die magischen Welten, die der Dichter in seinem Werk erschuf, auf den ersten Blick völlig unverständlich wirken. Aber gleichzeitig sprechen seine Worte eine Bewusstseinsebene an, die genau Bescheid weiss.


Wie ein abstrakter Maler beschrieb Rimbaud seine Welt, seine Einstellungen, seinen Protest, sein poetisches Manifest. Mit Symbolik, Metaphern, literarischen und historischen Anspielungen und Bildern. Diese Sprache versteht unser Gehirn. Beim Verfassen von Poesie machen wir uns mit dieser inneren Welt vertraut, lernen langsam ihr zu vertrauen und sie nicht als „Fantasterei" abzulegen.


In meinem Konzept der poetischen Schattenarbeit gehen wir diese innere Reise gezielt und strategisch an. Mit aktiver Imagination versetzen wir uns in einen meditativen Zustand und fühlen, halten Widersprüche und Ängste aus, lassen alles da sein. Wir erden und zentrieren uns im Hier und Jetzt, um uns nicht in der inneren Welt zu verlieren.


Wir fragen uns, welches Gefühl uns stört und verbinden uns auf fantasievolle Weise mit diesem. Wenn das Gefühl dann zu einer Gestalt geworden ist, wenn es Form, Farbe und Charakter bekommt, können wir in den Dialog gehen und fragen, welche Botschaft es für uns hat. All diese Schritte verbalisieren wir in poetischer Sprache. Poetisch meint hier die Sprache unserer Seele, die Sprache der Metaphern, der Vision, der Fantasie. Nicht lange nachdenken, analysieren oder in Form bringen. Einfach machen.


Sehr beliebt ist es bei vielen Menschen, diese Fragen an ein imaginiertes Gegenüber zu richten: mythische Gestalten, Geistführer, verschiedene Götter.


In der poetischen Schattenarbeit reicht es, diese Fragen an uns selbst zu richten. Vertrauend darauf, dass bereits alle Antworten in uns sind. Wenn du an einen Gott glaubst - egal welchen Namen du dafür wählst oder welcher religiöser Background dahintersteht - kannst du dich zusätzlich mit dieser „Urquelle“ verbinden. Denn so gibst du deine Macht nicht an etwas ausserhalb von dir ab. Gott ist die Kraft, die besonders nahe an dem dran ist, was wir „das Selbst“ nennen. Also nicht das Ego, das Ich, dem es lediglich ums Überleben geht.


Poetische Schattenarbeit ist für alle geeignet, egal welcher Glaubensrichtung oder Religion sie angehören - natürlich auch für Agnostiker oder Atheisten. Wichtig ist nur das Mindset: Ich gehe in Kontakt mit mir selbst, verbinde mich mit meinem Unterbewusstsein. Tauche tief mit Poesie.


Innere Arbeit ist für jeden etwas anderes.


Doch egal, welche Methode du wählst, ob Meditation, Energiearbeit, Gebet, Journaling, Yoga, Tanzen, kreative Arbeit, (poetische) Schattenarbeit, Innere-Kind-Arbeit, Breathwork, oder einen Mix aus allem: Regelmässigkeit ist wichtig. Manchmal tut es gut, faul zu sein und neue Erkenntnisse sacken zu lassen. Das Leben zu geniessen. Diese Pausen sind sogar wichtig!


Es geht nicht darum, sich rund um die Uhr mit dem eigenen Innenleben zu beschäftigen. Eine Stunde in der Morgen- und eine Stunde in der Abendroutine einzuplanen - das ist viel effektiver. Wenn wenig Zeit da ist, reichen auch 10 oder 5 Minuten, wie eine seelische Katzenwäsche. Der positive Effekt macht sich schnell bemerkbar: Die Beziehungen zu anderen Menschen verbessern sich, der berufliche Alltag gestaltet sich einfacher, ein innerer Frieden macht sich bemerkbar.

Und wie lebst du innere Arbeit nun praktisch?


Innere Arbeit sollte etwas sein, auf das du dich freust. Integriere sie so in den Alltag, dass sie sich leicht und mühelos einfügt. Das Konzept der poetischen Schattenarbeit eignet sich zum Beispiel gut als morgendliche Journalingübung zum ersten Kaffee. Ich stehe gern eine Stunde früher auf, um Zeit für mich zu haben.


Wenn die Welt noch still ist, begebe ich mich gern mit einem Kaffee in die Natur oder auf meine Fensterbank. Bei schlechtem Wetter begleiten mich Kerzen und gute Musik, bei gutem Wetter sitze ich auf der Wiese. Es macht Spass, den Tag mit Gedichten und Meditation zu beginnen.


Ist nur wenig Zeit da, lasse ich die Meditation weg. Das Schreiben hilft mir, mich besser zu reflektieren, klar im Kopf zu werden und bereit für den Tag zu sein.


Habe ich wirklich keine Zeit, nehme ich das Handy mit ins Bett und beginne noch im Liegen direkt nach dem Aufwachen mit einer kurzen geführten Meditation. Das sind manchmal nur drei Minuten tiefes Ein- und Ausatmen. Oder ich lasse das Handy weg und visualisiere für einige Minuten.


Abends läuft es ähnlich: Eine Meditation zum Einschlafen, poetische Schattenarbeit mit einem Glas Wein und entspannender Musik auf dem Sofa um den Tag ausklingen zu lassen - das dauert oft nicht länger als 10 - 20 Minuten, hat aber einen nachhaltigen Effekt.


In meinem Worksheet, das du dir hier kostenlos herunterladen kannst, zeige ich dir, wie poetische Schattenarbeit funktioniert. Du kannst das Worksheet für dein Journaling und täglich für die innere Arbeit benutzen.


Aber manchmal ist es hilfreich, wenn man bei dieser Arbeit nicht alleine ist: Bei einem Coaching mit mir kommen wir gemeinsam deinen individuellen Blockaden auf die Spur.


Liegt dir die Arbeit in der Gruppe mehr? Dann sind vielleicht unsere Schreib- und Meditationsworkshops etwas für dich, bei denen wir die poetische Schattenarbeit in der Gruppe praktizieren.


Schnuppere doch einfach mal rein! Du bist herzlich eingeladen - egal, für welche Arbeitsform du dich entscheidest!


Deine Ulrike





Schreib mit uns - bei den SchreibStimme Events im Oktober und November!

Wir haben eine Reihe von Events kreiert, die in den nächsten Wochen stattfinden.⁠

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Das erwartet dich im OKTOBER:⁠⁠

17.-24.10. Schreibwoche im Tessin. 7 Tage Auszeit zum Schreiben an deinem Projekt. - Haus für uns allein, Max. 4 TN, Musse und Ruhe, Schreibflow statt Alltag


25.10. Webseiten texten - bei Google oben landen! Gratis Online-Workshop (2h) - zum Reinschnuppern in die Thematik "Webseiten texten" und für alle, die sich für den kostenpflichtigen 3-Monate-Kurs "Webseiten texten für Top-Ranking" interessieren, den wir das zweite Mal durchführen (Start 1. November).⁠

28.10. Dein Buch schreiben - mit Flow und Klarheit! Gratis Online-Workshop (2h) - Schnupperkurs für alle mit Buch im Kopf und für die, die sich für den nagelneuen 3-Monate-Kurs "Dein Buch schreiben" interessieren (Start: 11. November)⁠


Und im NOVEMBER:⁠

1.11. Start Live-Kurs: Webseiten texten für Top-Ranking (3-Monate-Online-Kurs)⁠

4.11. Dein Buch schreiben - mit Flow und Klarheit! Gratis Online-Workshop (2h) - 2. Termin des Schnupperkurses (s.o.)⁠

11.11. Start Live-Kurs: Dein Buch schreiben! (3-Monate-Kurs für Beginner)⁠


25.11. Dive deep with poetry! Schreibworkshop poetische Schattenarbeit: 18.30-21.00 Uhr


2.12. Rise, poet, rise! Schreibworkshop für poetische Texte: 18.30-21.00 Uhr


Das ein oder andere kommt dann im Dezember noch dazu.⁠ Lass dich überraschen!

Alles über diese Kurse in 2021 und die schon geplanten in 2022 findest du hier: ⁠

www.schreibstimme.ch/agenda⁠

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